TRAUMA UND BELASTUNGSSTÖRUNG

Traumatischen Ereignisse, die selbst erlebt oder beobachtet werden, beinhalteten drohenden oder tatsächlichen Tod oder ernsthafte Verletzungen der eigenen Person oder anderer Personen. Dabei erlebten die Betroffenen Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen.

Neben einmaligen Ereignissen (Naturkatastrophen, Autounfälle etc.) gibt es auch traumatische Ereignisse, die über einen längeren Zeitraum hinweg erlebt werden (Missbrauch, Krieg etc.). Bei letzteren ist die Wahrscheinlichkeit an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zu erkranken, stark erhöht.

Nach einem traumatischen Erlebnis berichten viele Menschen, dass sie nachts von dem Ereignis träumen, dass sie darunter leiden mit diesem wieder konfrontiert zu werden und dass sie sich zeitweise in die Situation zurückversetzt fühlen (Flashback) oder Gedanken und Bilder während des Tages auftauchen (Intrusionen). Dieses ungewollte Wiedererinnern ist auch mit körperlichen Symptomen (z. B. Übelkeit) und Emotionen wie Wut, Angst und Ärger verbunden.

Es wird oft versucht, alles zu vermeiden, was an das Trauma erinnern könnte (Orte oder Menschen werden z. B. gemieden). Ein Abflachen der Gefühle (sog. Numbing) oder ein geringeres Interesse an sozialen Aktivitäten tritt u. U. auf. Manchmal fehlen auch Erinnerungen an das Geschehen.

Körperlich zeigt sich eine Übererregung, die mit Schwierigkeiten beim Einschlafen, Rastlosigkeit, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten einhergehen kann.

Diese Symptome sind in den ersten Tagen nach dem Erlebnis völlig normal. Halten sie bis vier Wochen danach an, so spricht man von einer sog. akuten Belastungsstörung. Sollten die Symptome länger als einen Monat anhalten, liegt eine PTBS vor. Diese kann auch erst einige Monate nach dem Ereignis auftreten (verzögerter Beginn).

WIE ENTSTEHT EINE POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNG (PTBS)?

Das Trauma ist nicht mit den bisherigen Erlebnissen vereinbar und kann daher schlechter kognitiv verarbeitet werden. Intrusionen und Erinnerungen an das Trauma treten nach dem Ereignis häufig auf und drängen nach einer Verarbeitung des Erlebten. Findet durch Vermeidung diese Verarbeitung nicht statt, bleibt das ungewollte Wiedererinnern bestehen und eine PTBS kann sich entwickeln.

Eine PTBS wird dann chronisch, wenn Betroffene eine gegenwärtige Bedrohung wahrnehmen. Sie verarbeiten das Trauma so, dass sie überall Gefahren sehen, dass sie sich die Schuld geben oder denken, dass sie „verrückt“ werden. Das Vertrauen in die Welt und andere Menschen ist tief erschüttert. Zusätzlich wird das Erlebte nicht ins Gedächtnis integriert und ein sog. Trauma-Gedächtnis entsteht. Ungewolltes Wiedererinnern und Schwierigkeiten sich an Einzelheiten zu erinnern und Informationen willentlich abzurufen, können dadurch erklärt werden. Selbst nur annähernd ähnliche Reize können an das Trauma erinnern und ein Wiedererleben auslösen.

Das Fehlen von sozialer Unterstützung in der Zeit nach dem Trauma kann das Entstehen einer PTBS begünstigen.

Bei schweren und langandauernden traumatischen Ereignissen, können auch Dissoziationen auftreten. Dabei verliert die Person vollständig das Bewusstsein über Zeit und Raum und ist unter Umständen wieder im Geschehen des Traumas verhaftet.

WIE WIRD DIE SYMPTOMATIK AUFRECHTERHALTEN?

Die Intrusionen und das ungewollte Wiedererleben werden als sehr unangenehm empfunden. Betroffene versuchen in der Regel, Gedanken an das Trauma und alles was damit zusammenhängt, zu vermeiden. Dadurch verhindern sie eine aktive und gründliche Verarbeitung des Erlebten und das Trauma-Gedächtnis kann nicht in bestehende Erfahrungen integriert werden. Die Vermeidung schafft kurzfristig Erleichterung, verhindert jedoch langfristig ein Durcharbeiten und Abschließen des Erlebten.

Negative Gedanken (z. B. „Ich bin schuld“, „Ich kann nie wieder glücklich werden“) und Grübeln über die eigene Verantwortlichkeit („Vielleicht hätte ich es verhindern können“) bewirken zusätzlich, dass das Trauma nicht verarbeitet und „ad Acta“ gelegt werden kann. Das traumatische Erlebnis wird zum zentralen Lebensinhalt.

WAS FÜR THERAPIEMÖGLICHKEITEN GIBT ES?

Eine PTBS ist mit Hilfe von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gut therapierbar. Die Wirksamkeit von Psychotherapie ist wissenschaftlich bestätigt.

In der Verhaltenstherapie gibt es z. B. die kognitive Therapie, in der es um die Bearbeitung von ungünstigen Gedankenmustern und einem Hinterfragen von automatisch auftretenden Gedanken geht. Die Bewertung und Interpretation von bestimmten Situationen und Reizen, die zur Aufrechterhaltung der jeweiligen Symptomatik beitragen wird hierbei verändert.

Das Wiedererlangen von einem Gefühl der Sicherheit und der Selbstwirksamkeit ist insbesondere nach traumatischen Erlebnissen entscheidend. Neben dem Wiederaufbau verlorener Fähigkeiten (z. B. Freunde treffen), wird Vermeidungsverhalten abgebaut und eine Konfrontation und das Verarbeiten des Traumas ermöglicht.

Neben der Therapie können auch soziale Kompetenztrainings, Entspannungsverfahren und das Aneignen von Bewältigungsstrategien eine Verbesserung erzielen.

Literaturhinweise und Lesetipps

  • Fischer, G. (2011). Neue Wege aus dem Trauma. Erste Hilfe bei schweren seelischen Belastungen. Ostfildern: Patmos Verlag.
  • Lindewald, D. (2008). Trauma-Labyrinth: PTBS – aus der Sicht einer Betroffenen. Leipzig: Engelsdorfer Verlag.
  • Schäfer, U., Rüther, E. & Sachsse, U. (2009). Hilfe und Selbsthilfe nach einem Trauma: Ein Ratgeber für Menschen nach schweren seelischen Belastungen und ihren Angehörigen. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.