SOZIALE PHOBIE

WAS KÖNNEN ANZEICHEN EINER SOZIALEN PHOBIE SEIN?

  • Menschen, die unter einer Sozialen Phobie leiden, berichten häufig, dass sie in sozialen Situationen starke und lähmende Angst haben. Sie fürchten sich z. B. davor, mit einer anderen Person alleine zu sein, nicht zu wissen, wie sie reagieren sollen und womöglich etwas Falsches zu sagen oder sich zu „blamieren“. Betroffene betreten ungern einen Raum, in dem bereits andere sitzen und vermeiden Situationen, in denen sie vor mehreren Menschen sprechen, essen oder schreiben müssen. Sie stehen ungern im Mittelpunkt und vermeiden es, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Es besteht meist eine große Angst vor Ablehnung durch andere.
  • In sozialen Situationen zeigt sich die Angst häufig durch Erröten, Zittern, Herzklopfen, Schweißausbrüche, einen trockenen Mund, das Gefühl zur Toilette zu müssen und unter Umständen durch Panikattacken.
  • Dabei wird versucht, Unsicherheit und Anspannung durch sog. Sicherheitsverhalten (wie z. B. das Umklammern einer Tasse, um nicht zu zittern) zu bewältigen.
  • Viele Betroffene fühlen sich in ihrem Leben eingeschränkt, weil sie gewisse Situationen vermeiden, die aber z. B. für den Abschluss einer Ausbildung, eines Studiums oder für die Ausübung eines Berufes wichtig sind. Auch in der Partnerschaft und im Umgang mit Freunden und Familie können dadurch Probleme auftreten.
  • Etwa 3-15% der Bevölkerung leiden unter einer Sozialen Phobie, die somit eine häufig vorkommende Erkrankung ist.

WIE ENTSTEHT EINE SOZIALE PHOBIE?

  • Die Ursachen für die Entstehung einer Sozialen Phobie sind vielfältig. Oft stehen sie im Zusammenhang mit ungünstigen Gedankenmustern und Erwartungshaltungen. Betroffene denken, dass sie inkompetent, dumm und nicht liebenswert sind.
  • Bereits in der Kindheit auftretende Angst in ungewohnten Situationen und Rückzugsverhalten kann das Entstehen einer Sozialen Phobie begünstigen.
  • Auch die Erziehung im Elternhaus und das damit einhergehende Erlernen von Verhaltensmustern spielen eine Rolle.
  • Soziale Erfahrungen, die als „traumatisierend“ und negativ erlebt werden (vor der Klasse ausgelacht werden etc.) und kritische Lebensereignisse, wie z. B. der Verlust von geliebten Menschen, können ebenfalls zur Entstehung einer Sozialen Phobie beitragen.

WIE WIRD DIE SYMPTOMATIK AUFRECHTERHALTEN?

  • Menschen mit einer Soziale Phobie haben oft eine negativ verzerrte Sicht auf die eigene Person. Hinzu kommt, dass andere Menschen als kritisch angesehen werden und die Meinung anderer als sehr wichtig empfunden wird. Ein negatives Gedankenmuster verstärkt sich, indem erlernte Gedanken wie z. B. „Die anderen sehen mir an, dass ich unfähig bin.“ automatisch auftreten und einen negativen Bewertungsprozess in Gang setzen. Die Erwartung negativer Bewertung durch andere ist ein entscheidender Faktor bei der Aufrechterhaltung der Angst.
  • Durch das Vermeiden von sozialen Situationen und durch sozialen Rückzug können Betroffene nicht lernen, dass vielleicht auch positive Reaktionen eintreten können. Der Fokus bleibt auf den negativen Gedanken und der Angst, dass etwas Peinliches geschehen könnte. Gehemmte Verhaltensweisen wie z. B. „sich verstecken“, starr werden, schweigen etc. können auch als Vermeidungs- bzw. Sicherheitsverhalten gewertet werden.
  • Distanziertes Verhalten, wenig Blickkontakt und Einsilbigkeit erschweren häufig soziale Kontakte und verstärken zusätzlich negatives Feedback von der Außenwelt, da eine Unterhaltung als schwerfällig erlebt wird und ein anregendes Gespräch nicht zustande kommen kann.

WAS FÜR THERAPIEMÖGLICHKEITEN GIBT ES?

  • Die Soziale Phobie ist mit Hilfe von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gut therapierbar. Die Wirksamkeit von Psychotherapie ist wissenschaftlich bestätigt.
  • In der Verhaltenstherapie gibt es z. B. die kognitive Therapie, in der es um die Bearbeitung von ungünstigen Gedankenmustern und ein Hinterfragen von automatisch auftretenden Gedanken geht.
  • Eine Konfrontationstherapie, in der eine direkte Konfrontation mit der angstbesetzten Situation erfolgt, ist meist besonders wirksam. Da bisher die Angst durch Vermeidungsverhalten reduziert wurde, ist es wichtig zu lernen, dass die Angst nach einer Weile von alleine absinkt. So kann das gelernte Angstverhalten reduziert und ein günstigeres Bewältigungsverhalten erlernt werden. Dieses Vorgehen wird mit viel Unterstützung und nach ausführlicher Vorbereitung durchgeführt.
  • Neben der Therapie können auch soziale Kompetenztrainings, Entspannungsverfahren und das Aneignen von Bewältigungsstrategien durch Rollenspiele eine Verbesserung erzielen.

WAS IST VERHALTENSTHERAPIE?

  • Die Verhaltenstherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, dessen Wirksamkeit zur Behandlung psychischer Erkrankungen wissenschaftlich belegt wurde. Die Verhaltens-therapie geht davon aus, dass die Ursachen für die psychische Erkrankung, wie z. B. negative Gedankenmuster und ungünstige Verhaltensweisen, erlernt wurden. Somit lässt sich durch das Aufdecken der erlernten Muster eine Veränderung in Form einer Neu-bewertung und ein Erlernen neuer, gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen erzielen.
  • Die Verhaltenstherapie bedient sich dabei unterschiedlicher Elemente, wie Gespräche, Rollenspiele, Gedankenprotokolle, Übungen, Hausaufgaben und die behutsame Konfrontation mit Ängsten bzw. belastenden Situationen.
  • Zu jeder Verhaltenstherapie gehört auch eine Diagnostikphase, die es ermöglicht, ein Krankheitsbild aufzudecken, eine auf die Bedürfnisse des Patienten ausgerichtete Therapie durchzuführen und Therapieerfolge sichtbar zu machen. Für die Diagnose einer Sozialen Phobie werden Betroffene in der Regel gebeten, den SIAS (Fragebogen zur Angst in sozialen Interaktionen) auszufüllen.

WAS KANN ICH SELBST BEACHTEN?

  • Wichtig ist es, sich vor Augen zu halten, dass es Möglichkeiten gibt, eine Soziale Phobie erfolgreich zu behandeln. Die Erwartungshaltung sollte hierbei realistisch sein. Eine Psychotherapie wird es nicht schaffen, Symptomfreiheit in wenigen Tagen zu erzielen. So wie ungünstige Verhaltensmuster, Vermeidungs- und Angstverhalten über Jahre erlernt und gefestigt wurden, benötigt es auch Zeit und Geduld, um diese zu verändern. Sehen Sie daher auch kleine Schritte in die richtige Richtung als Erfolg an.
  • Eine Unterstützung durch Angehörige und Freunde ist sehr wichtig. Wenn möglich, suchen Sie Halt in Ihrem sozialen Umfeld.
  • Das Üben zuhause in Form von Hausaufgaben ist wichtig, um eine dauerhafte Verbesserung zu ermöglichen. Nehmen Sie sich bewusst Zeit, das neu gelernte Verhalten auszuprobieren und zu trainieren.

LITERATURHINWEISE UND LESETIPPS

  • Dombrowski, H.-U. (1998). Wege zu mehr Selbstvertrauen. Hilfreiche Strategien zur Erhöhung des Selbstwertgefühls. München: CIP-Medien.
  • Fensterheim, H. & Bear, J. (2003). Sage nicht ja, wenn Du nein sagen willst. München: Goldmann.
  • Stangier, U., Clark, D. M. & Ehlers, A. (2006). Soziale Phobie. Göttingen: Hogrefe.
  • Wolf, D. (2000). Keine Angst vor dem Erröten. Mannheim: PAL.