ADHS

WAS IST ADHS?

  • Menschen, die unter einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) leiden, berichten von übermäßiger Unaufmerksamkeit und fehlender Konzentration, innerer Unruhe und Anspannnung sowie von voreiligem Handeln, das sich durch impulsives oder risikoreiches Verhalten äußern kann.
  • Viele Menschen mit ADHS fühlen sich häufig „getrieben“, treffen vorschnelle Entscheidungen oder setzen unbedacht Ideen um und können sich bei vielen Tätigkeiten schlecht konzentrieren, schweifen häufig ab und beenden Tätigkeiten nicht, die bereits begonnen wurden.
  • Meist wird eine starke Einschränkung im Leben berichtet, da sich durch diese Verhaltensmuster schulische, berufliche und soziale Schwierigkeiten ergeben. Dadurch entsteht ein hoher Leidensdruck bei den Betroffenen.
  • Etwa 3-6 % der Bevölkerung leiden unter ADHS.

WIE ENTSTEHT ADHS?

  • Die Ursachen für das Entstehen einer ADHS sind vielfältig. Eine biologische sowie psychologische Vulnerabilität kann ein Grund dafür sein, dass es zur Erkrankung kommt. Im Zusammenspiel mit der sozialen Umwelt entwickeln sich infolgedessen ADHS Symptome.
  • Die biologische Vulnerabilität wird bedingt durch eine mangelnde Aufmerksamkeitskontrolle und -steuerung sowie verminderte kognitive Kontrollmechanismen und Störungen der Informations- und Signalübertragung. Die biologischen Faktoren tragen zur Entstehung bei, sind aber nicht alleinige Ursache der ADHS-Symptomatik.
  • Durch eine negative Interpretation der mit der Symptomatik einhergehenden Verhaltensweisen durch das soziale Umfeld können psychische Folgen in Form von Kompetenz- und Performanzdefiziten entstehen.

WIE WIRD DIE SYMPTOMATIK AUFRECHT ERHALTEN?

WELCHE THERAPIEMÖGLICHKEITEN GIBT ES?

  • ADHS ist mit Hilfe von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gut therapierbar und führt zu einer Verminderung des Leidensdrucks bei Betroffenen. Die Wirksamkeit von Psychotherapie ist wissenschaftlich bestätigt.
  • In der Verhaltenstherapie gibt es z.B. die kognitive Therapie, in der es um die Bearbeitung von ungünstigen Gedankenmustern und einem Hinterfragen von automatisch auftretenden Gedanken geht (Selbstabwertung, Fehlende Motivation). Die Bewertung und Interpretation von bestimmten Situationen (z.B. Anforderungen der sozialen Umwelt) wird hierbei verändert.
  • In Form von Anleitung zum Selbstmanagement können durch spezielle Bewältigungsstrategien Alltagsschwierigkeiten verbessert werden. Die Vermittlung von Fertigkeiten zur erhöhten Selbststeuerung und -kontrolle sowie einer gezielteren Planung und Durchführung von Aktivitäten sollen die Tagesstrukturierung im privaten und beruflichen Alltag erleichtern. Zudem können Aufmerksamkeit und Konzentration durch gezielte Übungen verbessert werden.

WAS IST VERHALTENSTHERAPIE?

  • Die Verhaltenstherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, dessen Wirksamkeit zur Behandlung psychischer Erkrankungen wissenschaftlich belegt wurde. Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass die Ursachen für die psychische Erkrankung, wie z. B. negative Gedankenmuster und ungünstige Verhaltensweisen, erlernt wurden. Somit lässt sich durch das Aufdecken der erlernten Muster eine Veränderung in Form einer Neubewertung und ein Erlernen neuer, gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen erzielen.
  • Die Verhaltenstherapie bedient sich dabei unterschiedlicher Elemente, wie Gespräche, Rollenspiele, Gedankenprotokolle, Übungen, Hausaufgaben und die behutsame Konfrontation mit belastenden Situationen.
  • Zu jeder Verhaltenstherapie gehört auch eine Diagnostikphase,die es ermöglicht, eine auf die Bedürfnisse des Patienten ausgerichtete Therapie durchzuführen und Therapieerfolge sichtbar zu machen. Für die Diagnose einer ADHS-Symptomatik werden Betroffene in der Regel gebeten, sich einer testpsychologischen Untersuchung zu unterziehen, in der u.a. spezielle Aufmerksamkeitstests (z.B. d2) durchgeführt werden.

WAS KANN ICH SELBST BEACHTEN?

  • Wichtig ist es, sich vor Augen zu halten, dass es Möglichkeiten gibt, ADHS erfolgreich zu behandeln. Die Erwartungshaltung sollte hierbei realistisch sein. Eine Psychotherapie wird es nicht schaffen, Symptomfreiheit in wenigen Tagen zu erzielen. So wie ungünstige Verhaltensmuster, Vermeidungs- und Angstverhalten über einen längeren Zeitraum erlernt und gefestigt wurden, benötigt es auch Zeit und Geduld, um diese zu verändern.
  • Eine emotionale Unterstützung durch Angehörige und Freunde ist sehr wichtig. Wenn möglich, suchen Sie Halt in Ihrem sozialen Umfeld.
  • Das Üben zuhause in Form von Hausaufgaben ist nützlich, um eine dauerhafte Verbesserung zu ermöglichen. Nehmen Sie sich bewusst Zeit, das neu gelernte Verhalten auszuprobieren und zu trainieren.

LITERATURHINWEISE UND LESETIPPS

  • Krause J & Krause KH (2013) ADHS im Erwachsenenalter: Symptome, Differenzialdiagnose, Therapie, Schattauer Verlag
  • Barkley RA & Benton CM (2012) Das große Handbuch für Erwachsene mit ADHS, Huber Verlag