GENERALISIERTE ANGSTSTÖRUNG

WAS IST EINE GENERALISIERTE ANGSTSTÖRUNG?

  • Menschen, die unter einer Generalisierten Angststörung leiden, berichten häufig, dass sie sich ständig Sorgen machen. Sorgen sind angstbesetzte Erwartungen, die sich auf ein Ereignis beziehen, bei dem ein schlechter Ausgang befürchtet wird. Mehrere Stunden am Tag werden damit verbracht, sich über Familienangehörige, Beziehungen oder um die finanzielle Situation Gedanken zu machen. Dabei haben die Betroffenen das Gefühl, ihre Sorgen nicht kontrollieren zu können.
  • Viele Menschen fühlen sich ständig „auf dem Sprung“ (Ruhelosigkeit) und sind angespannt, als ob sie jederzeit bereit sein müssten, auf ein negatives Ereignis zu reagieren. Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Ein- oder Durchschlafstörungen und leichte Ermüdbarkeit sowie Verspannungen können auftreten.
  • Meist wird eine starke Einschränkung im Leben berichtet, da aufgrund der Ängstlichkeit bzw. des Gefühls „gestresst zu sein“ z. B. Beförderungen, die mit mehr Verantwortung einhergehen, abgelehnt werden. Sport und andere Aktivitäten werden nicht mehr wahrgenommen, da „ja etwas passieren“ könnte. Im sozialen Umfeld können dadurch zusätzliche Probleme auftreten.
  • Die Sorgen sind oft realistisch, nehmen allerdings zu viel Zeit in Anspruch und erscheinen übertrieben.
  • Etwa 2-10% der Bevölkerung leiden unter einer Generalisierten Angststörung.

WIE ENTSTEHT EINE GENERALISIERTE ANGSTSTÖRUNG?

  • Die Ursachen für das Entstehen einer Generalisierten Angststörung sind vielfältig. Eine biologische und psychologische Vulnerabilität (erhöhte Anfälligkeit/Empfindsamkeit), kann ein Grund dafür sein, dass es zur Erkrankung kommt.
  • Überbehütet-Sein in der Kindheit sowie (traumatische) Ereignisse, die als nicht kontrollierbar und nicht bewältigbar erlebt wurden, tragen häufig zur Entstehung einer Generalisierten Angststörung bei.
  • Gelernte kognitive Grundannahmen und Sichtweisen wie „Die Welt ist gefährlich“ fördern das Sorgenverhalten.
  • Die Aufmerksamkeit wird auf unsichere und nicht eindeutige Situationen gelenkt. Eine Bedrohung wird erlebt und die Sorgen können als Versuch gesehen werden, mit dieser umzugehen. Sorgen sind sozusagen eine Bewältigungsstrategie, um auf zukünftige Ereignisse vorbereitet zu sein.

WIE WIRD DIE SYMPTOMATIK AUFRECHTERHALTEN?

  • Sorgen verhindern, dass bildhafte und intensivere emotional belastende Gedanken entstehen. Somit wird oft unbewusst eine Konfrontation mit „Schlimmeren“ vermieden.
  • Bestimmte Tätigkeiten wie z. B. das Fahren längerer Strecken mit dem Auto (Angst zu verunglücken) werden vermieden, damit Sorgen über dieses Thema gar nicht erst aufkommen. Neben diesem Vermeidungsverhalten gibt es auch das sogenannte Rückversicherungsverhalten. Hierbei werden z. B. Kinder oder nahe Familien-angehörige oft (teils mehrmals am Tag) angerufen, um zu überprüfen, ob noch alles in Ordnung ist (Kontrollanrufe). Diese Anrufe schaffen kurzfristige Sicherheit, sind aber oft belastend für das Umfeld. Weitere Beispiele bietet die folgende Tabelle:

    Vermeidung Rückversicherung
    In sozialen Beziehungen
    • Geselligkeiten (Partys etc.) vermeiden
    • öffentliche Reden werden nicht gehalten
    • Man kann schlecht nein sagen, oder Wünsche äußern
    • Besuche werden intensiv vorbereitet
    • Nachfragen, ob man nicht nervt
    • (z. B. die Wohnung „perfekt“ herrichten)
    Sorgen um andere
    • Telefonate werden vermieden, um nichts Schlechtes zu hören
    • Kinder dürfen nicht bei Freunden übernachten
    • Häufig telefonieren, um zu fragen, ob alles in Ordnung ist
    • Verkehrsberichte nach Unfällen abhören
    Arbeit
    • Aufgaben mit hoher Verantwortung werden vermieden oder mit starker Rückversicherung ausgeführt
    • Bei Kollegen nachfragen, ob man alles „richtig“ gemacht hat
    • Perfektionismus
    • jeden Abend den Schreibtisch aufgeräumt hinterlassen
    Gesundheit / Unfälle
    • Anstrengungen, die zu Herzklopfen führen, werden vermieden
    • Berichte über Krankheiten werden nicht gelesen
    • längere Autofahrten/ Flüge vermeiden
    • Häufige Arztbesuche
    • ständiges Nachfragen, ob Symptome auf etwas Gefährliches hinweisen könnten
    Finanzen / Sonstiges
    • Rechnungen werden nicht geöffnet
    • Zuspätkommen und Unordnung wird vermieden
    • Häufiges Prüfen, ob das Gehalt auf dem Konto ist
  • Manche Betroffenen machen sich auch Sorgen wegen ihrer Sorgen und versuchen, diese zu unterdrücken. Dieser Versuch bewirkt allerdings genau das Gegenteil: mehr Sorgen entstehen.
  • Andere Personen berichten, dass sie sich selbst als unfähig ansehen, Probleme zu lösen. Durch das Sorgen wird das Anwenden konkreter Problemlösestrategien unterbunden und dies schafft zunächst Erleichterung und Sicherheit.

WAS FÜR THERAPIEMÖGLICHKEITEN GIBT ES?

  • Eine Generalisierte Angststörung ist mit Hilfe von verschiedenen Behandlungs-möglichkeiten gut therapierbar. Die Wirksamkeit von Psychotherapie ist wissenschaftlich bestätigt.
  • In der Verhaltenstherapie gibt es z.B. die kognitive Therapie, in der es um die Bearbeitung von ungünstigen Gedankenmustern und einem Hinterfragen von automatisch auftretenden Gedanken geht. Die Bewertung und Interpretation von bestimmten Situationen und Reizen, die zur Aufrechterhaltung der jeweiligen Symptomatik beitragen, wird hierbei verändert.
  • Die Veränderung der verzerrten Sichtweise (negative Ausgänge von Situationen werden häufiger wahrgenommen als positive) und das Erlernen neuer Denkhaltungen sind Ziele der kognitiven Therapie einer Generalisierten Angststörung. Auch das oben erwähnte Vermeidungs- und Rückversicherungsverhalten wird reduziert.
  • Das Ausüben eines Entspannungsverfahrens kann helfen, im Alltag einen Zustand der Entspannung zu erzeugen, wenn die Sorgen auftreten. Zusätzlich erzielt das Aneignen von Bewältigungs- und Problemlösestrategien eine Verbesserung.

LITERATURHINWEISE UND LESETIPPS

  • Becker, E. S. & Hoyer, J. (2005). Generalisierte Angststörung. Göttingen: Hogrefe.
  • Becker, E. & Margraf, J. (2008). Vor lauter Sorgen… Hilfe für Betroffene mit Generalisierter Angststörung (GAS) und deren Angehörige. Weinheim: Beltz PVU.
  • Wilms, B. & Wilms, H. U. (2008). Meine Angst – eine Krankheit? Bonn: BALANCE buch + medien verlag.
  • Die Tabelle entstand in Anlehnung an Becker & Margraf (2007). Generalisierte Angststörung. Weinheim: Beltz PVU.