AGORAPHOBIE

WAS IST EINE AGORAPHOBIE?

  • Menschen, die unter einer Agoraphobie leiden, berichten von einer deutlichen und anhaltenden Furcht vor Orten und Situationen, aus denen eine Flucht erschwert ist (Menschenmengen, öffentliche Plätzen, Verkehrsmittel, Warteschlangen).
  • Häufig berichten Betroffene, dass die Angst mit Panikattacken einhergeht, wobei eine Agoraphobie auch unabhängig von Paniksymptomen auftreten kann.
  • Meist wird eine starke Einschränkung und emotionale Belastung im Leben berichtet, da aufgrund des Sicherungs- und Vermeidungsverhaltens eine starke Einengung des persönlichen Bewegungsspielraumes sowie Einschränkungen im privaten und beruflichen Alltag berichtet werden.
  • Etwa 3-4 % der Bevölkerung leiden unter einer Agoraphobie.

WIE ENTSTEHT EINE AGORAPHOBIE?

  • Die Ursachen für das Entstehen einer Agoraphobie sind vielfältig. Eine biologische und psychologische Vulnerabilität (erhöhte Anfälligkeit/Empfindsamkeit), kann ein Grund dafür sein, dass es zur Erkrankung kommt.
  • Insbesondere negative Lernprozesse (beispielsweise Trennungsangst in der Kindheit) und das Lernen am Modell (Eltern, Bezugspersonen) können zur Entwicklung einer erhöhten Angstsensitivität führen.

WIE WIRD DIE SYMPTOMATIK AUFRECHTERHALTEN?

WELCHE THERAPIEMÖGLICHKEITEN GIBT ES?

  • Eine Agoraphobie ist mit Hilfe von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gut therapierbar. Die Wirksamkeit von Psychotherapie ist wissenschaftlich bestätigt.
  • In der Verhaltenstherapie gibt es z.B. die kognitive Therapie, in der es um die Bearbeitung von ungünstigen Gedankenmustern und einem Hinterfragen von automatisch auftretenden Gedanken geht. Die Bewertung und Interpretation von bestimmten Situationen und Reizen, die zur Aufrechterhaltung der jeweiligen Symptomatik beitragen, wird hierbei verändert.
  • Eine Konfrontationstherapie, in der eine direkte Konfrontation mit der angstbesetzten Situation erfolgt, ist meist besonders wirksam. Da bisher die Angst durch Vermeidungsverhalten reduziert wurde, ist es wichtig zu lernen, dass die Angst nach einer Weile von alleine absinkt, wenn man sich ihr stellt. So kann das gelernte Angstverhalten reduziert und ein günstigeres Bewältigungsverhalten erlernt werden. Dieses Vorgehen wird mit viel Unterstützung und nach ausführlicher Vorbereitung durchgeführt (graduiert, „schrittweise“).

WAS IST VERHALTENSTHERAPIE?

  • Die Verhaltenstherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, dessen Wirksamkeit zur Behandlung psychischer Erkrankungen wissenschaftlich belegt wurde. Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass die Ursachen für die psychische Erkrankung, wie z. B. negative Gedankenmuster und ungünstige Verhaltensweisen, erlernt wurden. Somit lässt sich durch das Aufdecken der erlernten Muster eine Veränderung in Form einer Neubewertung und ein Erlernen neuer, gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen erzielen.
  • Die Verhaltenstherapie bedient sich dabei unterschiedlicher Elemente, wie Gespräche, Rollenspiele, Gedankenprotokolle, Übungen, Hausaufgaben und die behutsame Konfrontation mit Ängsten bzw. belastenden Situationen.
  • Zu jeder Verhaltenstherapie gehört auch eine Diagnostikphase, dies ermöglicht, eine auf die Bedürfnisse des Patienten ausgerichtete Therapie durchzuführen und Therapieerfolge sichtbar zu machen. Für die Diagnose einer Agoraphobie werden Betroffene in der Regel gebeten, die Panik- und Agoraphobieskala auszufüllen.

WAS KANN ICH SELBST BEACHTEN?

  • Wichtig ist es, sich vor Augen zu halten, dass es Möglichkeiten gibt, eine Agoraphobie erfolgreich zu behandeln. Die Erwartungshaltung sollte hierbei realistisch sein. Eine Psychotherapie wird es nicht schaffen, Symptomfreiheit in wenigen Tagen zu erzielen. So wie ungünstige Verhaltensmuster, Vermeidungs- und Angstverhalten über einen längeren Zeitraum erlernt und gefestigt wurden, benötigt es auch Zeit und Geduld, um diese zu verändern.
  • Eine emotionale Unterstützung durch Angehörige und Freunde ist sehr wichtig. Wenn möglich, suchen Sie Halt in Ihrem sozialen Umfeld.
  • Das Üben zuhause in Form von Hausaufgaben ist nützlich, um eine dauerhafte Verbesserung zu ermöglichen. Nehmen Sie sich bewusst Zeit, das neu gelernte Verhalten auszuprobieren und zu trainieren.

LITERATURHINWEISE UND LESETIPPS:

  • Heinrichs,N. (2007). Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie. Hogrefe: Stuttgart.
  • Schneider, S. & Margraf, J. (1998). Agoraphobie und Panikstörung. Fortschritte der Psychotherapie. Hogrefe: Stuttgart.
  • Mathews, A., Gelder, M. & Johnston, D. (2003). Platzangst – ein Übungsprogramm für Betroffene und Angehörige. Karger: Hamburg.