CBASP

Die Abkürzung CBASP steht für „Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy“. Mit diesem Begriff bezeichnet McCullough eine Therapieform, die auf die spezifische Problematik einer chronischen Depression ausgerichtet ist. Von einer chronischen Depression spricht man bei Patienten, bei denen meist vor dem 21. Lebensjahr eine erste depressive Episode aufgetreten und deren Symptomatik nicht vollständig zurückgegangen ist. Meistens berichten diese Patienten, dass ihre Symptomatik in der Folge von wiederholten negativen Erfahrungen im interpersonellen Kontakt aufgetreten ist. Zudem haben sie das Gefühl, dass sie keinen Einfluss auf ihre Situation und ihre Stimmung nehmen können.

McCullough legt als Erklärung für diese Problematik verschiedene theoretische Konzepte, insbesondere die Entwicklungstheorie nach Piaget, zugrunde. So geht er davon aus, dass Patienten mit einer chronischen Depression im Laufe ihrer Kindheit nicht gelernt haben, die Perspektive eines anderen Menschen zu übernehmen. In der Folge können sie nur schwer die Konsequenzen ihres eigenen Verhaltens einschätzen. Dies führt unter anderem dazu, dass neue positive Erfahrungen nicht als solche wahrgenommen werden und die negative Sicht auf die Welt nicht korrigiert werden kann.

Im Rahmen der Therapie soll der Patient lernen, die Konsequenzen seines Verhaltens zu überblicken sowie seine Empathiefähigkeit zu erweitern. Dies steht im Kontext mit der Annahme, dass immer eine Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt besteht. Darüber hinaus soll er seine Problemlösefertigkeiten und Bewältigungsstrategien verbessern. Ein wichtiger Bestandteil von CBASP ist zudem die therapeutische Bearbeitung früher traumatischer Erfahrungen im interpersonellen Kontext.

Bei CBASP werden verhaltenstherapeutische, psychodynamische und interpersonelle Methoden integriert. Es zeichnet sich zudem durch ein strukturiertes Vorgehen aus. Es gibt insbesondere drei Strategien, die bei CBASP eingesetzt werden, um oben genannte Therapieziele zu erreichen. Zum einen wird eine Liste prägender Bezugspersonen erstellt, die vor allem die Annahmen beinhaltet, die der Patient von diesen Personen übernommen hat. Zum anderen werden Situationsanalysen durchgeführt, bei denen geprüft wird, inwieweit diese Annahmen den Patienten und seinen interpersonellen Kontakt beeinflussen. Zudem soll der Patient mithilfe von interpersonellen Diskriminationsübungen erkennen, dass seine meist negativen Interpretationen von Situationen nicht zutreffend sind. Hierbei kommt der therapeutischen Beziehung und dessen Modellfunktion eine große Bedeutung zu. Im Gegensatz zu anderen Therapieformen ist der Therapeut hier persönlicher, aber auch konfrontativer um somit Veränderungen möglich zu machen.

QUELLE

  • McCullough, J.-P. (2006). Psychotherapie der chronischen Depression. Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy - CBASP. Urban & Fischer.