SCHEMATHERAPIE

Die Schematherapie wurde in den letzten Jahren von Jeffrey Young entwickelt. Sie kann als Weiterentwicklung des kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansatzes verstanden werden und ist besonders für Patienten mit Persönlichkeitsstörungen und –akzentuierungen geeignet, bei denen die klassische kognitive Verhaltenstherapie (KVT) aufgrund sehr variabler Symptome und Probleme nicht richtig greift.

Im Vordergrund der Schematherapie steht das emotionale Erleben des Patienten, das durch Stuhldialoge und Imaginationsübungen zugänglich gemacht werden soll. Biografische Aspekte werden stärker als in der KVT eingebunden und aktuelle Probleme auf ungünstige Entwicklungsbedingungen zurückgeführt. Außerdem spielt die Therapiebeziehung eine große Rolle, in der begrenzte elterliche Fürsorge und veränderte Interaktionsmuster verwirklicht werden sollen.

Das grundlegende Konzept der Schematherapie baut auf den frühen maladaptiven Schemata auf. Dies sind schädigende Muster, die Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen und interpersonelles Handeln umfassen und während der Kindheit entstanden sind. Bei Aktivierung eines solchen bestehenden Schemas werden intensive Gefühle wie Angst, Traurigkeit durchlebt. Young sieht in den maladaptiven Schemata die zentrale Ursache für Persönlichkeitsstörungen, da sie Menschen dazu bringen, als Erwachsene die destruktiven Erfahrungen aus der Kindheit zu reaktivieren. Die Schemata sind ein ständiger Begleiter und verursachen Leid, jedoch auch ein angenehmes Gefühl der Vertrautheit und sind deswegen schwer abzulegen.

Die maladaptiven Schemata gehen auf fünf Schemadomänen zurück, die grundlegende emotionale menschliche Bedürfnisse darstellen. Wurde eines dieser Bedürfnisse in der Kindheit nicht erfüllt, entsteht ein dazu antithetisches Schema.

Die Reaktionen auf eine Schemaaktivierung können in drei Bewältigungsstile eingeteilt werden, angelehnt an die psychodynamischen Abwehrmechanismen. Es wird zwischen Erdulden, Vermeidung und Überkompensation unterschieden. Diese Copingmechanismen stellen einen dysfunktionalen Umgang mit den Schemata dar und tragen erheblich zu deren Aufrechterhaltung bei.

Je nach Zustand des Patienten kann ein und dasselbe Schema sehr unterschiedliche Verhaltens- und Erlebensmuster hervorrufen. Aufgrund dessen wurden die Schemamodi entwickelt. Als Schemamodus wird ein durch Schemas ausgelöster aktueller Gefühls- und Erlebenszustand bezeichnet. Die Modi lassen sich in Kindmodi, dysfunktionale Elternmodi, dysfunktionale Bewältigungsmodi und Modus des gesunden Erwachsenen einteilen. In der Therapie wird häufiger mit den Schemamodi als mit den dahinterliegenden Schemata gearbeitet.

Ziel der Therapie ist es den Patienten dazu zu befähigen aktuelle eigene Bedürfnisse besser zu erkennen, sich ihrer zuzuwenden und sie dann auch zu erfüllen. Die Bedürfnisse werden ganz explizit in den Mittelpunkt gestellt und die Interventionen darauf ausgerichtet. Essentiell dafür ist die Stärkung des Modus des gesunden Erwachsenen. Die Patienten müssen lernen mit den dysfunktionalen Modi umzugehen, zu verhandeln und sie schließlich aufzugeben. Da die Modi eng mit der berichteten Problematik des Patienten verbunden sind, wird so auch gleichzeitig an dieser gearbeitet. Durch den Modus des gesunden Erwachsenen können auch langfristig die maladaptiven Schemata erkannt und anschließend verändert werden.

QUELLEN

  • Jacob, G., & Arnoud, A. (2011). Schematherapie in der Praxis. Weinheim, Basel: Beltz.
  • Young, J., Klosko, J. S., & Weishaar, M. E: (2005). Schematherapie: Ein praxisorientiertes Handbuch. Paderborn: Junfermann.