_ EMDR Therapie zur Behandlung von Trauma | Prof. Dr. Fegg & Kollegen

EMDR

Die Abkürzung EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing und bezeichnet ein therapeutisches Verfahren, das insbesondere zur Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen eingesetzt wird. Es ist ein vom Bundesausschuss für Ärzte und Krankenkassen anerkanntes Verfahren zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Erwachsenen. Das Verfahren beruht auf der Annahme, dass traumatische Erfahrungen das biochemische Gleichgewicht des Gehirns negativ beeinflussen können, was dazu führt, dass diese Erfahrungen nicht verarbeitet werden können.

Beim EMDR wird das Wissen, dass die Erfahrungen des Tages insbesondere in den Phasen des Schlafs, die mit raschen Augenbewegungen einhergehen (sogenannter REM-Schlaf), verarbeitet werden, genutzt. Der Therapeut bittet den Patient, seinen Handbewegungen mit den Augen zu verfolgen, wodurch rasche Augenbewegungen ausgelöst werden. Diese Sequenz kann mehrmals pro Sitzung durchgeführt werden und dauern in der Regel nur bis zu einer Minute. Hierdurch soll die Informationsverarbeitung im Nervensystem angeregt und die Integration der traumatischen Erfahrungen ermöglicht werden. Zur Stimulation des Nervensystems können neben den Augenbewegungen auch Töne oder Berührungen des Handrückens genutzt werden.

Zusammen mit dem Therapeuten wählt der Patient eine konkrete traumatisierende Erfahrung aus. Im Anschluss wird gemeinsam ein Ziel definiert. Im Rahmen des EMDR kann es bei etwa 1/3 der Patienten vorkommen, dass sie die mit der Erfahrung verbundenen, negativen Gefühle in ähnlicher Intensität wiedererleben. In diesem Fall ist das erneute Auftreten der Gefühle jedoch nur von kürzerer Dauer sowie mit einer gewissen inneren Distanz verbunden. Am Ende einer Sitzung ist es wichtig, dass das Ergebnis besprochen mit. Da die angeregten Prozesse jedoch auch noch nach Ende der Sitzung weitergehen können, werden zwischen Patient und Therapeut Absprachen hinsichtlich einer zwischenzeitlich möglichen Kontaktaufnahme getroffen.

Es wird darauf hingewiesen, dass eine Behandlung mit EMDR nur von erfahrenen und hierfür qualifizierten Therapeuten durchgeführt werden sollte. Bei inkorrekter Durchführung oder bei einer erhöhten Dissoziationsneigung des Patienten besteht die Gefahr einer Verschlechterung der Symptomatik.

Neben der Einsatzmöglichkeit bei Posttraumatischen Belastungsstörungen liegen Hinweise vor, dass EMDR allgemein hilfreich ist bei der Verarbeitung von traumatischen Ereignissen. Folglich findet dieses Verfahren auch Anwendung bei Anpassungsstörungen, depressiven Erkrankungen oder Angststörungen.

QUELLE

  • Shapiro, F. (1999). EMDR. Grundlagen & Praxis; Handbuch zur Behandlung traumatisierter Menschen, Paderborn: Junfermann.