DEPRESSION
WAS KÖNNEN ANZEICHEN EINER DEPRESSION SEIN?
- Menschen, die unter Depressionen leiden, berichten häufig, dass sie lustlos sind, mehr schlafen (oder auch weniger), nicht mehr aus dem Bett kommen, sowie weniger Energie haben. Die Lust an Aktivitäten ist oft vermindert und viele alltägliche Dinge bereiten keine Freude mehr. Betroffene neigen dazu, sich zurückzuziehen und alles „schwarz“ zu sehen.
- Andere Symptome können auch sein, sich „gehetzt“ und unruhig zu fühlen. Starker Gewichtsverlust oder eine Gewichtszunahme können zusätzlich auftreten.
- Viele Patienten berichten von häufig auftretenden negativen Gedanken wie Selbstabwertung und unter Umständen Suizidgedanken.
Ein zusammenfassender Überblick der Symptomatik:
| Gefühle |
Gedanken |
Verhalten |
Körperliche Beschwerden |
| traurig, freudlos |
Suizidgedanken |
weniger aktiv |
müde, kraftlos |
| ängstlich, antriebslos |
Grübeln |
Probleme im Alltag |
nervös |
| Morgentief, Leere |
Selbstabwertung |
Sozialer Rückzug |
Schlafstörungen |
Stimmungs- schwankungen |
Konzentrations- probleme |
sich nicht mehr um sich selbst kümmern |
Gewichtsveränderungen |
WELCHE ARTEN VON DEPRESSIONEN GIBT ES?
- Eine Depression ist eine Phase, die länger als zwei Wochen andauert und in der mehrere der oben genannten Symptome auftreten. Es können auch mehrere depressive Phasen hintereinander auftreten.
- Manche Menschen haben über einen längeren Zeitraum Stimmungstiefs, die nicht so stark ausgeprägt sind, wie bei einer Depression (sog. „Dysthymie“).
- Bei einer anderen Form wechseln sich depressive Phasen und übertrieben positive Phasen, in denen die Betroffenen das Gefühl haben, alles bewältigen zu können, ab (sog. „bipolare Störung“).
- Etwa 20% der Bevölkerung erleiden einmal im Leben eine behandlungsbedürftige Depression.
WIE ENTSTEHT EINE DEPRESSION?
- Die Ursachen für die Entstehung einer Depression sind vielfältig. Oft stehen sie im Zusammenhang mit Problemen, die im Alltag als belastend erlebt werden. Konflikte in Beziehungen zu Freunden, Familie und Partnern sowie Spannungen am Arbeitsplatz sind mögliche Gründe für das Auftreten einer Depression.
- Es gibt Menschen, die von Natur aus eine erhöhte Verletzlichkeit (Vulnerabilität) aufweisen, dadurch sensibler sind und bei Belastungen schneller erkranken. Wenn dazu noch die Bewältigungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, können kritische Lebensereignisse, wie z. B. eine Trennung, ein Arbeitsplatzwechsel oder der Verlust einer geliebten Person eine Depression auslösen.
- Häufig sind negative Bewertungen von Situationen, Ereignissen und eine negative Selbstsicht, sowie erlernte Gedankenmuster mitverantwortlich für das Entstehen einer Depression:
WIE WIRD DIE SYMPTOMATIK AUFRECHTERHALTEN?
- Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, fühlen sich oft hilflos, weil sie das Gefühl haben, ihre Lage nicht kontrollieren zu können. Negative Ereignisse werden häufig so interpretiert, dass die eigene Person „schuld“ ist, dass die Situation nicht verändert werden kann und dass dieses Ereignis für fast alle Lebensbereiche ein „Versagen“ oder eine Niederlage darstellt. Eine Selbstabwertung erfolgt und die Situation erscheint hoffnungslos. Passivität und Resignation führt dann wiederum zu Lustlosigkeit und Inaktivität. Patienten berichten oft, dass sie viel Grübeln und somit nicht aktiv ihr Problem lösen, sondern in Gedankenschleifen „festhängen“.
- Ein weiterer Grund kann eine negativ verzerrte Sicht auf die eigene Person, die Welt und die Zukunft sein (siehe Grafik oben).
- Negative Erfahrungen werden verstärkt wahrgenommen, positive Erfahrungen eher als Ausnahme gewertet. Erlernte Gedanken treten oft automatisch auf, setzen den negativen Bewertungsprozess in Gang und verstärken jedes Mal die depressive Symptomatik. Eine Abwärtsspirale kann entsteht.
WAS FÜR THERAPIEMÖGLICHKEITEN GIBT ES?
- Depression ist mit Hilfe von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gut therapierbar. Neben der medikamentösen Hilfe ist die Wirksamkeit von psychotherapeutischen Maßnahmen wissenschaftlich bestätigt.
- In der Verhaltenstherapie gibt es z. B. die kognitive Therapie, in der es um die Bearbeitung von ungünstigen Gedankenmustern und einem Hinterfragen von automatisch auftretenden Gedanken geht. Darüber hinaus ist der sog. „Verstärkeraufbau“ zentral in der Behandlung von Depressionen: positive Erfahrungen werden allmählich identifiziert und gezielt in das alltägliche Leben eingebaut. So kann eine „Aufwärtsspirale“ entstehen, die zu positiven Erfahrungen und einer Verbesserung der Stimmung führt.
- Neben der Therapie können auch soziale Kompetenztrainings und das Aneignen von Bewältigungsstrategien die Genesung unterstützen.
WAS IST VERHALTENSTHERAPIE?
- Die Verhaltenstherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, dessen Wirksamkeit zur Behandlung psychischer Erkrankungen wissenschaftlich belegt wurde. Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass die Ursachen für die psychische Erkrankung, wie z. B. negative Gedankenmuster und ungünstige Verhaltensweisen, erlernt wurden. Somit lässt sich durch das Aufdecken der erlernten Muster eine Veränderung in Form einer Neubewertung und ein Erlernen neuer, gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen erzielen.
- Die Verhaltenstherapie bedient sich dabei unterschiedlicher Elemente, wie Gespräche, Rollenspiele, Gedankenprotokolle, Übungen, Hausaufgaben und die behutsame Konfrontation mit Ängsten bzw. belastenden Situationen.
- Zu jeder Verhaltenstherapie gehört auch eine Diagnostikphase, die es ermöglicht, ein Krankheitsbild aufzudecken, eine auf die Bedürfnisse des Patienten ausgerichtete Therapie durchzuführen und Therapieerfolge sichtbar zu machen. Für die Diagnose einer Depression werden Betroffene in der Regel gebeten, den BDI-II (Beck-Depressions-Inventar II) auszufüllen.
WAS KANN ICH SELBST BEACHTEN?
- Wichtig ist es, sich vor Augen zu halten, dass es Möglichkeiten gibt, eine Depression erfolgreich zu behandeln. Die Erwartungshaltung sollte hierbei realistisch sein. Eine Psychotherapie wird es nicht schaffen, Symptomfreiheit in wenigen Tagen zu erzielen. So wie ungünstige Gedankenmuster über Jahre erlernt und gefestigt wurden, benötigt es auch Zeit und Geduld, um diese zu verändern.
- Eine Unterstützung durch Angehörige und Freunde ist sehr wichtig. Wenn möglich, suchen Sie Halt in Ihrem sozialen Umfeld und unternehmen Sie etwas mit Ihren Freunden.
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Sollten Krisensituationen oder Suizidgedanken auftreten, denken Sie daran, dass es Hilfsmöglichkeiten gibt, auch wenn die Situation aussichtslos erscheint. Nehmen Sie Kontakt mit unserer Praxis auf oder wählen Sie eine der folgenden Notfallnummern:
- Ambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik (Nußbaumstr. 7): tagsüber: 089 / 5160-3307 oder nachts: 089 / 5160-5511
- Krisendienst Psychiatrie München (9 – 21 Uhr): 089 / 729 59 60
- Psychiatrisches Krisenzentrum Atriumhaus (Bavariastr. 11): 089 / 76 780
LITERATURHINWEISE UND LESETIPPS
- Dombrowsky, Hans-Ulrich (1998). Wieder Zuversicht gewinnen. München: CIP-Medien.
- Hautzinger, Martin (1998). Depression. Göttingen: Hogrefe.